Haushalt 2009
Innenministerium
Ø Gemeindeprüfungsanstalt
Dezernat Nordrhein-Westfalen
Bürger und Kommunen Postfach 101879
44608 Herne
40190 Düsseldorf
Bottrop, 12. Juli 2009
Betreff: Haushalt 2009 der Stadt Bottrop
Genehmigung durch den RP Münster im Juni 2009
Bitte um Überprüfung der Haushaltsgenehmigung durch den RP Münster
Sehr
geehrte Damen und Herren, der von der
Stadt Bottrop überarbeitete Haushaltsplan wurde vom Regierungs-präsidenten Münster,
Herrn Peter Paziorek, genehmigt, jedoch nur mit Beden- ken, da ihm die
voraussehbare Entwicklung des Haushaltes große Sorgen bereitet. Diese Sorge
teilt die Bottroper Bevölkerung mit dem Regierungspräsidenten. Sowohl in 2009, als auch in der mittelfristigen
Finanzplanung, beabsichtigt die Stadt Fehlbeträge in Millionenhöhe und verzehrt
damit bis 2012 Eigenkapital in Höhe von 55 Millionen Euro. Die Stadt laufe
damit Gefahr, den gerade erst zurück gewonnenen Handlungsspielraum wieder zu verlieren.
- Mit erheblichen
Unsicherheiten belastet -
Aufgrund
der finanzwirtschaftlichen Gesamtsituation sei der Haushalt 2009 mit
erheblichen Unsicherheiten belastet, die sich schon im kommenden Haushalts- jahr
auswirken könnten. So plane die Stadt mit Gesamterträgen in Höhe von 266,9
Millionen Euro und Gesamtaufwendungen in Höhe von 291,4 Millionen Euro einen
Fehlbetrag von rund 24,4 Millionen Euro
ein. Diesen könne sie noch mit der so genannten Ausgleichsrücklage auffangen.
Der Haushalt gilt deshalb als aus- geglichen. Die Ausgleichsrücklage, die
nach der bereits in 2008 erfolgten Inanspruchnahme noch einen Bestand von 40
Millionen Euro ausweist, wird damit auf 15,6 Mio. Euro reduziert. Bereits
2011 muss, nach den Planungen, die allgemeine Rücklage ange- griffen werden.
Die
Verschuldung der Stadt Bottrop nimmt in den Jahren bis 2012 um 80 Millionen
Euro für Investitionen, sowie weitere 55 Millionen Euro aus der laufenden
Verwal-tungstätigkeit zu. Die daraus resultierende Zinslast bereitet dem RP
erhebliche Sorgen. In 2009 seien bereits Zinsen in Höhe von 8,09 Mio. Euro
aufzubringen. Diese summieren sich bis 2012 auf 40,9 Mio. Euro. Im Gegensatz hierzu weist der
Haushaltsplan 2009 jedoch für das Jahr 2007 eine Zinslast von rund 12 Mio. Euro
aus.- Zinsen im Jahr Acht Mio.
Euro -
Mit der Genehmigung des Haushaltes ergibt sich für die Stadt Bottrop, und die Menschen in dieser Stadt, ab 2010 und in den Folgejahren folgende finanzielle und wirtschaftliche Situation:
1. Die für Förderungen benötigten Eigenmittel werden nicht mehr zur Verfügung stehen .
2. Der Eigenanteil für das Konjunktur II Programm wird nur durch den Verkauf von städtischem Eigentum möglich sein.
3. Eine sinnvolle und effektive
Stadtentwickelung ist dann unmöglich.
Durch die vom Rat und der
Verwaltungsspitze geplanten Projekte:
1. Erweiterung und Ausbau des Verkehrslandeplatzes Schwarze Heide
– hier ist ein vom RP geforderte Eigenmitteleinsatz von mindestens 1,6 Mio. Euro gefordert –
2. Die dann erforderliche Erweiterung und Veränderung der Infrastruktur
die Gesamtkosten wurden bis heute nicht beziffert.
3. Die Neuerstellung eines Gewerbegebietes am Verkehrslandeplatz wird mit
11.2 Mio. Euro beziffert
– hier werden bis zum Ende 2009 schon mehr als 3 Mio. € investiert –
4. Die Veränderung der A 42 in eine Parkautobahn
die Gesamtkosten wurden bis heute nicht beziffert.
Der
Ausbau der Stadtverwaltung durch neue Planstellen und
Höhergruppierungen belasten den Haushalt 2009 zusätzlich mit rund 5.7
Mio. €, die sich in den Folge-jahren, nur durch Lohn- und
Gehaltssteigerungen, Ortszuschläge und Altersstei-gerungen, um ein
vielfaches erhöhen werden.
Für das
sich in der Insolvenz befindliche Projekt „Wohnen Plus“ ist die Stadt Bottrop
mit einer Bürgschaft in Höhe von 2,5 Mio. Euro beim Katasteramt eingetragen.
Das
mit Fördermittel erstellte Parkhaus am Bahnhof Bottrop erfüllt die
Förder-ungskriterien, eine 85% Auslastung, nicht. Hier ist damit zu
rechnen, dass die Fördermittel, sowie Zins uns Zinseszins an das Land
zurück zu zahlen sind.
Innenstadterneuerung, die zwar durch
Fördermittel mit getragen wird, aber für die auch Eigenanteile der
Stadt mit eingebracht werden müssen. Die Höhe der hierfür zu
veranschlagenden Kosten ist nicht bekannt.
Es liegen dem RP Münster weitere Förderanträge der Stadt Bottrop vor, für die ebenfalls Eigenmittel aufgewendet werden müssen.
Alle
diese Fakten müssen dem RP Münster, Dezernat Kommunalaufsicht, bekannt
sein und hätten, aus kaufmännischer Sicht, in der Haushaltsprüfung 2009
berücksichtigt werden müssen.
Zusammenfassend bleibt
festzustellen, der schon vom RP Münster mit sehr starken Bedenken
genehmigte Haushalt 2009, und die hier aufgeführten Pro- jekte, werden
ab 2010 nicht nur, wie auch schon vom RP Münster angedeutet, zu einer
Haushaltssicherung führen, vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass
die Stadtverwaltung Bottrop innerhalb kürzester Zeit insolvent wird.
Unter
Einbeziehung aller oben aufgeführten Fakten sieht die Mehrheit der
Bottroper Bevölkerung eine Haushaltsgenehmigung als unverantwortlich
an. Projekte, wie der Ausbau des Verkehrslandeplatzes Schwarze Heide,
der noch zu keinem Zeitpunkt kostendeckend bewirtschaftet wurde und
jährlich mit 200 – 300.000 Euro bezuschusst werden muss, einen
Interkommunalen Gewerbepark, für den es keine ansiedlungswilligen
Interessenten gibt, oder der Ausbau der A42 zur Parkautobahn sind von
einem Großteil der Bottroper Bürger nicht gewollt und unter der
derzeitigen schlechten wirtschaftlichen Situation der Stadt zum
jetzigen Zeitpunkt auch nicht zu verantworten, da diese nur Kosten
verursachen, Fauna und Flora zerstören und selbst die Stadtverwaltung
einen Nutzen nicht bestätigen kann. Bodo Schulte
Ich bitte Sie um Prüfung
des dem Regierungspräsidenten Münster vorgelegten, berichtigten
Haushalts 2009, unter Einbeziehung der von mir aufgelisteten Pro-
jekte, damit langfristiger Schaden von der Stadt Bottrop und seinen
Bewohnern abgewendet werden kann.
In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Oberbürgermeister Kandidat der Stadt Bottrop
Das Innenministerium hat auf meine Beschwerde reagiert.